Brustkrebs

Wie häufig tritt Brustkrebs auf?

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Und zwar überall auf der Welt, auch in der Schweiz. Geschätzt wird, dass 2011 weltweit mehr als 508.000 Frauen an Brustkrebs gestorben sind. In der Schweiz sind dies jährlich etwa 1400 Frauen. Im Übrigen ist Brustkrebs keine Krankheit, die ausschliesslich Frauen betrifft: Jedes Jahr fallen ihr auch einige Männer zum Opfer. Weil Männer rudimentär ausgebildete Brustdrüsen und verkümmerte Milchgänge zur Brustwarze haben, können auch sie an Brustkrebs erkranken. Die Brust des Mannes ist mit der von Mädchen vor der Pubertät vergleichbar. Neben dem Schock, den die Diagnose Brustkrebs bei allen Betroffenen auslöst, erfahren es Männer als besonders traumatisch, wenn sie hören, dass sie an einer „typischen Frauenkrankheit“ leiden. Deshalb warten Männer häufig zu lange, bevor sie bei entsprechenden Symptomen zum Arzt gehen. Selbst wenn die Diagnose feststeht, scheuen sie davor zurück, sich ihrem Umfeld zu offenbaren.

Tipps

Gehen Sie auch als Mann sofort zum Hausarzt, wenn Sie an Ihrer Brust Veränderungen feststellen. Welche frühen Anzeichen sind bei Brustkrebs zu beobachten?

  • Knoten oder Verhärtungen in der Brust
  • Absonderungen aus der Brustwarze
  • Veränderungen der Brustwarze oder der Brusthaut, wie etwa eine eingezogene Brustwarze, Eindellungen oder wunde Hautstellen.

Was beinhaltet das Mammografie Screening Programm?

Für die Früherkennung von Brustkrebs gibt es für Frauen über 50 in den Kantonen Bern, Baselstadt, Freiburg, Genf, Graubünden, Jura, Neuenburg, St. Gallen, Thurgau, Waadt und Wallis ein Mammographie Screening Programm. In den anderen Kantonen erfolgt eine Mammografie auf ärztliche Indikation hin.
Etwa zwanzig von Tausend untersuchten Frauenerhalten die Benachrichtigung, dass auf den Röntgenaufnahmen eine Abweichung festgestellt worden sei. Eine solche Nachricht ist ausserordentlich beunruhigend. Damit geraten die betroffenen Frauen in die Mühlen der Medizin, was psychisch sehr belastend sein kann. Bei etwa vierzehn dieser Frauen stellt sich später heraus, dass es sich um falschen Alarm gehandelt hat.
Das regelmässige Brustkrebs-Screening, das Jahr für Jahr mit erheblichen Kosten verbunden ist und das zudem für anderthalb Prozent der teilnehmenden Frauen eine unnötige traumatische Erfahrung bedeutet, hat zum Ziel, die Zahl der Brustkrebs-Sterbefälle zu senken. Wird dieses Ziel erreicht? Daran wird in den letzten Jahren immer häufiger gezweifelt.

Abwägungen bei der Teilnahme am Screening-Programm

1 – Sind Röntgenstrahlen gesundheitsschädlich?

Aus gutem Grund treten die Bediener der Röntgengeräte hinter eine Schutzwand, wenn sie die Röntgenaufnahme machen. Da sie sich den ganzen Tag in der Nähe dieser Geräte aufhalten, ist die Strahlenmenge, der sie ausgesetzt sind, jedoch nicht mit der vergleichbar, die bei den in der Regel vier Röntgenaufnahmen pro Person, die bei einem Mammografie-Screening freigesetzt wird. Allerdings sollten grundsätzlich keine unnötigen Röntgenaufnahmen gemacht werden, da Röntgenstrahlung krebserregend sein kann. Zumal sich die Zahl der Röntgenaufnahmen, die bei Zahnarzt- und Krankenhausbesuchen anfallen, im Laufe der Jahre summieren kann.

2 – Rettet das Mammografie-Screening Leben?

Im Februar 2014 veröffentlichte das Swiss Medical Board einen Bericht, in dem von der Einführung einer Brustkrebs-Reihenuntersuchung abgeraten und empfohlen wird, die bestehenden Mammografie-Screening-Programme abzubauen. Das Swiss Medical Board ist eine unabhängige Einrichtung, die alle Schweizer Kantone berät. Diese Empfehlung verursachte weltweit grossen Wirbel. In einem Artikel im New England Journal of Medicine vom Mai 2014 erläutern zwei Mitglieder des Swiss Medical Board ihre Motive.
Einer der Artikel, die sie zitieren, ist eine Analyse von acht Studien, bei denen die regelmässige Durchführung einer Mammografie mit dem Verzicht auf ein solches Screening verglichen wird und bei denen die Einteilung der Frauen in zwei Gruppen dem Zufall überlassen blieb. Dieser Artikel erschien im Juni 2013 in The Cochrane Database of Systematic Reviews. In den fraglichen acht Studien wurden 600.000 Frauen im Alter zwischen 39 und 74 Jahren untersucht.
Bei den beiden Studien, bei denen die Einteilung der untersuchten Personen sämtlichen wissenschaftlichen Kriterien einer Zufallseinteilung genügte, zeigte sich, dass die Mammografien keine Sterbefälle verhinderten. Allerdings wurden in den Gruppen, bei denen eine Mammografie erfolgte, mehr operative Eingriffe durchgeführt, und zwar sowohl brusterhaltende Operationen als auch Vollamputationen der Brust. Ausserdem wurden diese Frauen auch wesentlich häufiger bestrahlt. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass bei jeweils 2000 Frauen, die zehn Jahre lang beobachtet werden, ein einziger Sterbefall wegen Brustkrebs verhindert wird. Dem gegenüber steht, dass zehn gesunde Frauen vollkommen grundlos behandelt werden und dass sich 200 Frauen jahrelang wegen fehlerhafter Analysen unnötigen Ängsten ausgesetzt sehen. Die Krebsliga Schweiz hat aktiv Stellung gegen diese Empfehlung des Swiss Medical Board bezogen. Sie fordert die Kantone, in denen es noch kein Mammografie-Screening-Programm gibt, auf, ein solches Programm möglichst rasch aufzubauen. Die fehlerhaften Ergebnisse und Überdiagnosen scheint die Krebsliga als notwendiges Übel zu betrachten. Die Stiftung Krebshilfe steht auf dem Standpunkt, dass jede Frau über ihre eigene Gesundheit und ihren eigenen Körper selbst entscheidet. Selbstverständlich gilt dies auch für Männer, die jedoch nicht in das Mammografie-Screening-Programm aufgenommen werden.
Natürlich ist es beruhigend zu hören, dass die Mammografie keinen abweichenden Befund ergeben hat. Ganz anders sieht die Sache aus, wenn man zu den Frauen gehört, die vollkommen unnötig operiert und bestrahlt worden sind, von einer Chemotherapie noch ganz zu schweigen. Krebsbehandlungen sind sehr einschneidend und verursachen irreversible körperliche Schäden. Sie sind nur dann zu rechtfertigen, wenn damit ein sicherer Tod verhindert wird. Daher ist die Stiftung Krebshilfe der Meinung, dass eine gute Aufklärung darüber erforderlich ist, was das Mammografie-Programm leisten kann. Dann können Frauen selbstständig und fundiert die schwierige Entscheidung treffen, an einem Mammografie-Programm teilzunehmen oder nicht.

3 – Was erwarten die Frauen selbst?

Im Oktober 2003 erschien im International Journal of Epidemiology ein Artikel über die Meinung von Frauen zum Nutzen eines Brustkrebs-Screenings. Für diesen Artikel wurden insgesamt 4140 willkürlich ausgewählte Frauen ab fünfzehn Jahren in den USA, Grossbritannien, Italien und der Schweiz telefonisch befragt.
Mammografie-Screenings werden intensiv beworben, was – wie sich aus diesem Artikel ergibt – zu unrealistischen Erwartungen führt. So dachten 62 Prozent der befragten Frauen, dass das Screening die Zahl der Sterbefälle bei Brustkrebs halbiere. 75 Prozent erwartete, dass aufgrund der Reihenuntersuchung nach zehn Jahren pro tausend Frauen zehn oder mehr Sterbefälle vermieden worden seien.
Wie wir gesehen haben, sind diese Erwartungen viel zu optimistisch.

Was ist ein DCIS (duktales Karzinom in situ)?

Wenn es eine Brustkrebsart gibt, die überbehandelt wird, so ist dies das duktale Karzinom in situ (DCIS). Duktal bedeutet, dass sich das Karzinom in einem Milchgang befindet, und in situ, dass es nicht invasiv ist, also nicht in das Umgebungsgewebe eingedrungen ist. In vielen Fällen wird sich daran auch nichts ändern, und ohne die Mammografie wäre ein solches Karzinom nie bemerkt worden. Leider lässt sich nicht vorhersagen, ob sich ein DCIS in Zukunft ausbreiten wird oder nicht. Das wiederum führt zu vielen unnötigen Brustoperationen und -amputationen. Der Umgang mit einem DCIS hängt nicht zuletzt davon ab, wie dieser Befund der Patientin mitgeteilt wird. Im Oktober 2013 erschien im JAMA Internal Medicine ein Bericht über eine Studie, bei der 394 gesunden Frauen die Frage vorgelegt wurde, für welche Behandlung sie sich bei DCIS entscheiden würden: für eine Operation, eine Medikation oder eine aktive Beobachtung.
Die Antwort dieser Frauen hing stark davon ab, mit welchen Begriffen ihnen DCIS beschrieben wurde. Bei der Beschreibung „nicht-invasiver Krebs“ entschieden sich 53 Prozent gegen eine Operation, beim Begriff „Brustläsion“ waren es 66 Prozent und bei „abnormen Zellen“ 69 Prozent.
Zunehmend setzt sich die Auffassung durch, dass bei DCIS genau wie bei Prostatakrebs eine beobachtende, abwartende Haltung (also eine regelmässige Kontrolle und nicht eine sofortige Behandlung) am besten ist. Schliesslich besteht die begründete Chance, dass sich DCIS zu Lebzeiten der Frau nicht zu einem bösartigen Tumor entwickeln wird.

Tipps

  • • Haken Sie immer nach, wenn bei Ihnen Brustkrebs festgestellt wird, insbesondere wenn dieser Befund im Rahmen einer Mammografi e erfolgt ist und Sie zuvor keinerlei Anzeichen dafür hatten. Erkundigen Sie sich, um welche Art von Tumor es sich handelt, wie gross das Risiko einer lebensbedrohlichen Entwicklung ist und welche Behandlungsmethoden es gibt.
  • • Verlangen Sie eine Zweitmeinung, wenn Sie keine klaren, überzeugenden Antworten auf Ihre Fragen erhalten.

 

Gibt es einen Zusammenhang zwischenVitamin D und Brustkrebs?

Bereits im einem früheren Nachrichtenbrief haben auf die Schützende Wirkung von Vitamin D bei verschiedenen Krebsarten hingewiesen. Auch bei Brustkrebs besteht offenbar ein solcher Zusammenhang. Im März 2014 erschien in der Zeitschrift Anticancer Research eine Analyse mehrerer Studien, die zeigt, dass Brustkrebspatientinnen mit einer grossen Menge Vitamin D im Blut bessere Überlebenschancen hatten als Brustkrebspatientinnen mit nur geringem Vitamin-D-Gehalt. Selbstverständlich könne ein niedriger Vitamin-D-Gehalt auch darauf zurückzuführen sein, dass diese Patientinnen schwerer erkrankt seien. Dazu müssten weitere Untersuchen durchgeführt werden, erklären die Autoren.

Tipps

  • Dennoch kann es nicht schaden, zusätzlich Vitamin D einzunehmen. Für die meisten Menschen werden täglich zehn Mikrogramm, für über Siebzigjährige zwanzig Mikrogramm empfohlen.
  • Haben Sie keine Angst vor der Sonne. Versuchen Sie im Sommer täglich mittags eine Weile in der Sonne zu sitzen oder spazieren zu gehen. Natürlich nicht zu lang, damit Sie keinen Sonnenbrand bekommen. Denn das ist schlecht für die Haut und würde das Risiko auf Hautkrebs erhöhen.

Hilft Körperbewegung gegen Brustkrebs?

Im Oktober 2013 erschien in der Zeitschrift Cancer Epidemiology Biomarkers & Prevention ein Artikel über den Einfluss von Körperbewegung auf das Risiko, nach der Menopause an Brustkrebs zu erkranken. An dieser Reihenuntersuchung der American Cancer Society haben 73.615 postmenopausale amerikanische Frauen teilgenommen.
Bei den aktivsten Frauen sank die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, um 25 Prozent. Bei Frauen, die angaben, dass sich ihre körperliche Betätigung auf Spaziergänge beschränke, zeigte sich, dass bereits sieben Stunden pro Woche ausreichten, um das Brustkrebsrisiko um vierzehn Prozent zu verringern.

Tipps

  • • Versuchen Sie, etwas häufiger zu Fuss zu gehen, und wenn es nur zum Einkaufen ist.
  • • Suchen Sie nach einer körperlichen Betätigung, die Ihnen Spass macht. Wenn Sie gerne mit dem Velo fahren, schwimmen oder tanzen, dann tun Sie das. Dadurch werden Sie nicht nur schlanker und fitter, sondern verringern Sie auch noch das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.