Reduzieren Sie die Nebenwirkungen, verbessern Sie Ihre Chancen!

Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig. Denn je früher mit der Behandlung begonnen werden kann, desto grösser ist die Chance, den Krebs zu besiegen. Viele Therapien sind jedoch mit (zuweilen erheblichen) Nebenwirkungen verbunden. Daher ist es wichtig, die Behandlung ausführlich mit Ihrem Arzt zu besprechen und dabei auch zu klären, mit welchen Nebenwirkungen Sie bei der Behandlung rechnen müssen. Diese Nebenwirkungen hängen davon ab, um welche Art von Krebs es sich handelt, und welche Behandlung für Sie am geeignetsten ist. Art und Schwere der Nebenwirkungen werden auch davon bestimmt, wie Ihr Körper auf die Behandlung reagiert.

Wir haben die zwölf am häufigsten auftretenden Nebenwirkungen zusammengestellt. Sie finden hier, was Sie tun können, wenn Sie mit diesen Nebenwirkungen konfrontiert werden. Vergessen Sie jedoch auch nicht, Ihre Ärzte und Ihr Umfeld um Hilfe zu bitten.

Es ist ausgesprochen wichtig, Nebenwirkungen möglichst schnell zu erkennen. Daher lautet ein wichtiger Rat, der für jeden Betroffenen und für jede Nebenwirkung gilt:

Machen Sie eine Liste oder führen Sie Tagebuch darüber, wie Sie auf die Arzneimittel oder andere Behandlungen reagieren.

Notieren Sie, was Sie fühlen, wann Sie es fühlen und wie lange die Beschwerden andauern. Mit diesen Aufzeichnungen können Sie Ihre Ärzte genau über Wirkung und Nebenwirkungen der Behandlung und der Arzneimittel informieren. Teilen Sie sich auch Ihrem Partner bzw. Ihrer Partnerin oder Ihrem Pfleger bzw. Ihrer Pflegerin mit. Sie können Ihnen helfen, sich an den genauen Verlauf Ihrer Beschwerden zu erinnern.

ACHTUNG! Die Tipps können je nach Nebenwirkung unterschiedlich sein und sich daher manchmal widersprechen. Was bei dem einen Problem hilft, kann für ein anderes Problem geradezu kontraproduktiv sein. Natürlich können auch mehrere Nebenwirkungen gleichzeitig auftreten. Benutzen Sie immer Ihren gesunden Verstand und sprechen Sie bei Zweifeln mit Ihrem Arzt.

Bei Übelkeit und Erbrechen

Übelkeit und Erbrechen gehören für viele Betroffene zu den einschneidenden Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Gegen Übelkeit gibt es Arzneimittel. Wenn Sie diese verschrieben bekommen haben, sollten Sie sie auch einnehmen, und zwar auch an Tagen, an denen Sie sich gut fühlen, damit der Wirkstoffspiegel in Ihrem Körper auf dem gleichen Niveau bleibt. Wenn Sie Tabletten nicht bei sich behalten können, gibt es diese Arzneimittel auch in anderer Verabreichungsform, wie beispielsweise als Injektion, Zäpfchen oder als Tablette die auf der Zunge zergeht.

Bei Erbrechen besteht die Gefahr der Dehydrierung. Sie sollten also auf jeden Fall genug trinken. Ingwertee kann gegen Übelkeit helfen, genau wie Pfefferminztee / Pfefferminzbonbons oder Kamillentee.

Auch Akupunktur hilft oft gut. Die Weltgesundheitsorganisation hält es für erwiesen, dass Akupunktur eine wirksame Behandlungsweise von Nebenwirkungen infolge von Bestrahlung und Chemotherapie ist, wie beispielsweise Übelkeit und Erbrechen oder Problemen mit dem Magendarmtrakt wie Verstopfung, Durchfall und Magenkrämpfe, die im Folgenden noch gesondert besprochen werden. Spitälern Akupunktur gehört zu den Behandlungsmöglichkeiten. Aber Sie können auch selbst einen Akupunktur- spezialisierten Arzt suchen.

Bei Durchfall

Chemotherapie und Bestrahlung können Durchfall verursachen. Bei Durchfall besteht die Gefahr der Dehydrierung. Diese Gefahr ist besonders gross bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Personen.

Daher ist es ausserordentlich wichtig, ausreichend zu trinken. Dabei sollte man häufig in kleinen Schlucken trinken, beispielsweise Wasser, nichts jedoch alkohol-, koffein oder kohlensäurehaltige Getränke.

Um eine Dehydrierung zu verhindern oder auszugleichen, kann man Wasser mit Zucker und Salz trinken. In der Apotheke sind Sachets mit Zucker, Salz und Mineralstoffen im richtigen Mischungsverhältnis erhältlich. Diese Mischung muss dann in Wasser aufgelöst werden. Die Bezeichnung dafür ist ORS, eine Abkürzung für “oral rehydration salts”. Die Verhältnisse sind wichtig, denn zu viel Zucker kann den Durchfall verschlimmern und zu viel Salz kann für den Körper schädlich sein. Auf unserer Internetseite finden Sie auch ein Rezept, um ORS zur Not selbst herzustellen: Geben Sie sechs gestrichene Teelöffel Zucker und einen halben gestrichenen Teelöffel Salz in einen Liter Wasser. Verwenden Sie Zucker und Salz eher sparsam als zu grosszügig zu verwenden.

Essenstipps:

  • Essen Sie weniger ballaststoffreiche Speisen.
  • Schälen und kochen Sie Obst und Gemüse.
  • Vermeiden Sie Molkereiprodukte.
  • Vermeiden Sie stark gewürzte und fettige Speisen.

Bei Durchfall kann die Haut rund um den Anus wund werden. In diesem Fall sollten Sie diese Hautpartie nach dem Toilettenbesuch mit einem Wegwerfwaschlappen waschen (also nicht immer wieder denselben Waschlappen verwenden) und anschliessend trocken tupfen. Verwenden Sie keine Feuchttücher, denn diese enthalten häufig Alkohol, was zu Hautreizungen führen kann. Tragen Sie anschliessend etwas Vaseline oder Hämorridensalbe auf die wunden Stellen auf.

Bei Verstopfung

Manche Chemotherapiemittel und Medikamente gegen Übelkeit können Verstopfungen verursachen. Die Verwendung von Schmerzmitteln, insbesondere Opiaten wie Codein und Morphin, können ebenfalls zu Verstopfungen führen. Sagen Sie Ihrem Arzt Bescheid, wenn Sie nach drei Tagen noch keinenStuhlgang haben.

Tipps gegen Verstopfungen:

  • Essen Sie ballaststoffreich, d.h. frisches Obst und Gemüse, Vollkornbrot, Haferflocken und Müsli.
  • Getrocknete Pflaumen, Aprikosen und Feigen haben abführende Wirkung.
  • Trinken Sie ausreichend (mindestens 2 Liter am Tag).
  • Sorgen Sie für Bewegung.
  • Schieben Sie den Toilettenbesuch nicht auf und lassen Sie sich Zeit dabei.
  • Seien Sie vorsichtig mit Abführmittel. Die Därme können sich so daran gewöhnen, dass immer höhere Dosen erforderlich sind und der normale Stuhlgang vollkommen aus dem Gleichgewicht gerät. Wenn Sie jedoch ohne Abführmittel nicht zurechtkommen, fragen Sie Ihren Arzt um Rat.

Bei Magenkrämpfen

Chemotherapie oder Magenoperationen können Magenkrämpfe verursachen. Magenkrämpfe sind oft verbunden mit Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung. Die folgenden Massnahmen können Erleichterung bieten:

  • Versuchen Sie, sich zu entspannen. Legen Sie sich hin und atmen Sie ruhig und gleichmässig.
  • Während der Krämpfe und eine Stunden danach keine feste Nahrung zu sich nehmen. Trinken Sie keine alkohol-, koffein- oder kohlensäurehaltigen Getränke. Trinken Sie Wasser in kleinen Schlucken. Kräutertees wie Pfefferminztee oder Kamillentee können Erleichterung verschaffen.
  • Vermeiden Sie Molkereiprodukte, saure und fette Nahrungsmittel. Auch wenn man plötzlich wesentlich mehr ballaststoffreiche Nahrungsmittel zu sich nimmt, kann dies zu Magenkrämpfen führen.
  • Sorgen Sie für Bewegung. Gehen Sie beispielsweise spazieren, aber bleiben Sie immer in der Nähe einer Toilette.
  • Wenn Sie Streckübungen beispielsweise von Yoga-, Gymnastik- oder Tanzkursen kennen, versuchen Sie dann, den Bereich, in dem der Schmerz sitzt, vorsichtig zu strecken.
  • Warm halten. Ziehen Sie einen langen Pullover an oder wickeln Sie etwas Warmes um die Taille. Eine warme Dusche oder ein warmes Bad kann ebenfalls Erleichterung bieten. Legen Sie sich eine heisse Wärmflasche oder ein warmes Kirschkernkissen auf dem Magen. Damit können Krämpfe verringert werden.
  • Halten Sie Darmwinde nicht zurück, auch nicht in Gesellschaft.

Bei Mukositis

Chemotherapie und Bestrahlung können Mukositis verursachen. Dabei handelt es sich um eine Schleimhautentzündung. Betroffen sein können die Schleimhäute des Magendarmkanals, was häufig zu Durchfall führt. Aber auch die Schleimhäute im Mund können sich entzünden. Dann kommt es häufig zu kleinen Geschwüren im Mund. Damit kann auch eine Veränderung im Geschmack verbunden sein. Bei solchen Geschwüren ist eine sorgfältige Mundhygiene wichtig:

  • Putzen Sie sich die Zähne morgens und abends mit einer weichen Zahnbürste und Fluorzahnpasta. Es gibt auch Spezialzahncremes im Handel gegen Mukositis. Putzen Sie sich auch die Zunge vorsichtig, wenn dies nicht zu schmerzhaft ist. Lassen Sie nach jedem Zähneputzen Ihre Zahnbürste gut trocknen.
  • Verwenden Sie mindestens einmal täglich einen Zahnstocher oder besser noch ein Interdentalbürstchen.
  • Wenn Sie eine Zahnprothese tragen, ist es vielleicht angenehmer, sie eine Weile nicht zu benutzen, es sei denn, Ihr Arzt empfiehlt Ihnen deren Benutzung.
  • Reinigen Sie Ihre Prothese sorgfältig.
  • Spülen Sie Ihren Mund nach jeder Mahlzeit oder auch häufiger mit Wasser oder alkoholfreiem Mundwasser. Sie können auch selbst ein Mundwasser herstellen, indem Sie einen Teelöffel doppeltkohlensaures Natron in einem halben Liter abgekochtem Wasser auflösen. Doppeltkohlensaures Natron wird auch Reinigungssalz genannt.
  • Vermeiden Sie Tabak, Alkohol und stark gewürztes Essen; auch harte, trockene Nahrungsmittel wie geröstetes Brot kann zu Verletzungen im Mund führen.
  • Glatte, weiche Nahrungsmittel rutschen leichter hinunter.
  • Sorgen Sie dafür, dass Sie ausreichend trinken.

Früher wurde hin und wieder empfohlen, einen Eiswürfel im Mund zergehen zu lassen, um den Schmerz im Mund zu mildern. Dadurch können sich jedoch die Blutgefässe verengen, so dass die Chemotherapie oder die Bestrahlung nicht das Gewebe erreicht, für das es gedacht ist. Ausserdem können die harten Eiswürfel kleine Wunden im Mund verursachen.

Bei Appetitlosigkeit

Neben Übelkeit und anderen Magen- und Darmproblemen, die Chemotherapie und Bestrahlung verursachen, ist es auch möglich, dass Sie durch die Chemotherapie überhaupt keinen Appetit mehr haben. Vielleicht erzeugt schon der blosse Geruch von Essen bei Ihnen Abneigung oder das Arzneimittel verursacht bei Ihnen einen unangenehmen Geschmack im Mund. Nach der Bestrahlung bestimmter Stellen verliert für Manche das Essen seinen Geschmack. Es ist auch möglich, dass Ihnen das Schlucken Mühe bereitet.

Hier einige Tipps:

  • Essen Sie keine Light-Produkte. Sorgen Sie bei allem, was Sie essen, dafür, dass Sie möglichst viele Nährstoffe aufnehmen. Trinken Sie Vollmilch und essen Sie vollfetten Käse, es sei denn, Sie mögen beides nicht.
  • Wenn Fleisch metallisch schmeckt, ersetzen Sie es durch Fisch, Bohnen, Eier, Hähnchen oder Käse.
  • Wenn Sie den Geruch von warmen Speisen verabscheuen, dann essen sie kalt oder lauwarm.
  • Wenn Ihnen das Schlucken Probleme bereitet, dann nehmen Sie weiche oder flüssige Speisen, wie Suppe, Rührei, Kartoffelpüree und Apfelbrei, zu sich. Geben Sie Saucen zum Essen. Spezielle Trinknahrung für Kranke kann ebenfalls eine Lösung sein.
  • Bitten Sie jemanden anderen zu kochen oder mitzuessen. Wenn ein anderer kocht oder wenn Sie gemütlich gemeinsam am Tisch sitzen, essen Sie vielleicht mehr, ohne es zu merken.
  • Wenn Sie nichts schmecken, dann wählen Sie Nahrungsmittel mit einem starken Geschmack oder verwenden Sie – in Maßen – Kräuter und Gewürze, Senf, Sambal und ähnliches, sofern Sie sie vertragen.
  • Im Handel gibt es Gebäck und Desserts speziell für Menschen, die durch Unterernährung gefährdet sind.
  • Nehmen Sie Nahrungsergänzungsmittel zu sich, um Mängel zu auszugleichen.

Bei peripherer Neuropathie

Chemotherapie kann Schmerzen in Händen und Füssen verursachen. Dies nennt man eine periphere Neuropathie. Das Nervensystem besteht aus zwei Teilen: dem zentralen Nervensystem, welches das Gehirn und das Rückenmark umfasst, und dem peripheren Nervensystem, das Nachrichten von und zum zentralen Nervensystem transportiert. Das zentrale Nervensystem wird von Knochenstrukturen und der Blut-Hirn-Barriere geschützt, das periphere Nervensystem hingegen hat keinen solchen Schutz. Daher können die peripheren Nerven durch Chemotherapie stärker in Mitleidenschaft gezogen werden. Dies kann sich äußern in:

  • Einem tauben oder kribbelnden Gefühl in Händen und Füssen
  • Einem brennenden oder stechenden Schmerz oder plötzlichen Schmerzstichen
  • Einer geringen Kontrolle über den betreffenden Körperteil
  • Muskelschwäche

Neuropathischer Schmerz lässt sich in der Regel nicht wirksam mit den gängigen Schmerzmitteln wie Paracetamol und Ibuprofen behandeln. In diesem Fall wenden Sie sich an Ihren Arzt und suchen Sie mit ihm gemeinsam nach einem alternativen Medikament, das die Symptome bekämpft und nicht allzu schwere Nebenwirkungen hat. Es gibt spezifische Medikamente für neuropathische Schmerzen. Akupunktur gilt ebenfalls als ein gutes Mittel gegen Schmerzen bei Neuropathie.

Bei Müdigkeit

Sowohl der Krebs selbst wie auch dessen Behandlung führen zu Müdigkeit, und zwar in der Regel nicht nur zu körperlicher Müdigkeit, sondern auch zu psychischer Müdigkeit infolge der Schmerzen und des damit verbundenen Stresses. Körperliche Müdigkeit kann durch Blutarmut infolge der Chemotherapie entstehen. Dabei kann eine Bluttransfusion helfen. Andere Ursachen für Müdigkeit können sein: Dehydrierung (siehe „Bei Durchfall“ ñ Seite 4), Unterernährung (siehe „Bei Appetitlosigkeit“ ñ Seite 7) und Schlafstörungen.

Einige Tipps:

  • Gönnen Sie sich selbst den Luxus eines kleinen Nickerchens, wenn Sie Ruhe brauchen.
  • Sparen Sie Ihre Energie für die Dinge auf, die Sie für Ihre Therapie tun müssen.
  • Machen Sie auch weiterhin alles, was Sie gerne tun, nur in ruhigerem Tempo.
  • Verbringen Sie Ihre Zeit mit den Menschen, die Ihnen nahestehen.
  • Ziehen Sie andere ins Vertrauen und bitten Sie sie um Hilfe.
  • Versuchen Sie, möglichst in Bewegung zu bleiben, beispielsweise indem Sie kleinere Spaziergänge machen.
  • Essen und trinken Sie ausreichend. Am besten ist es, kleinere, nahrhafte Mahlzeiten zu sich zu nehmen.
  • Bitten Sie andere, für Sie zu kochen oder nehmen Sie den Mahlzeitendienst in Anspruch. Praktisch kann auch ein kleiner Vorrat an Fertigmahlzeiten sein. Achten Sie dabei jedoch darauf, dass es sich um gesunde Mahlzeiten handelt.
  • Auch ein nahrhaftes Getränk bietet sich an. Für Kranke gibt es spezielle Trinknahrung.

Bei Depressionen

Der Stress und die Angst, die die Diagnose Krebs zur Folge haben, sowie Schmerzen, Müdigkeit und andere körperlichen Beschwerden können zu Depressionen führen. Kommen weitere Schwierigkeiten hinzu, beispielsweise finanzielle Probleme oder Probleme am Arbeitsplatz, erhöht sich die Gefahr, an einer Depression zu erkranken, noch.

Depressionen können sich langsam entwickeln. Wichtig ist, nicht alleine damit fertig werden zu wollen, sondern um Hilfe zu bitten. In Ihrem Spital gibt es wahrscheinlich einen Sozialdienst, an den Sie sich wenden können. Dort kann man Ihnen weiterhelfen. Ihr Arzt kann Ihnen Arzneimittel gegen Depressionen verschreiben und Sie an einen Psychiater oder Psychologen verweisen. Viele Betroffene profitieren auch von einem Mindfulness- Programm oder Aufmerksamkeitstraining speziell für Krebspatienten.

Ziehen Sie sich vor allem nicht zurück, sondern geben Sie den Menschen um Sie herum die Chance, Ihnen zu helfen und Sie zu umsorgen. Vermeiden Sie Alkohol und ungesundes Essen. Damit wird die Situation nicht besser. Sind Ihrem Arzt Mittel wie Mindfulness oder Akupunktur zur Bekämpfung der Nebenwirkungen nicht bekannt? Dann wenden Sie sich an einen Arzt, dem diese Methoden vertraut sind. Sie können auch ein Zweitgutachten eines solches Arztes beantragen. Die Kosten für diese Second Opinion werden praktisch immer von der Krankenversicherung vergütet.

Bei Lymphödem

Wenn bei Ihnen Lymphdrüsen aus den Achseln oder Leisten entfernt wurden oder wenn diese Gebiete bestrahlt wurden, besteht ein erhöhtes Lymphödemrisiko. Dabei schwellen durch zu viel Lymphflüssigkeit Arme oder Beine an. Der Körper reagiert auf eine Infektion, indem er zusätzlich Lymphflüssigkeit produziert, um diese Infektion zu bekämpfen. Wenn das Lymphsystem in diesem Gebiet nicht in Ordnung ist, kann eine Infektion der Tropfen sein, der den Eimer zum Überlaufen bringt. Ergreifen Sie also Vorsorgemaßnahmen:

  • Tragen Sie bei der Hausarbeit, im Garten oder beim Kontakt mit Tieren (Gummi-)Handschuhe.
  • Tragen Sie Kleidung, die Ihren Körper möglichst bedeckt, und geschlossene Schuhe, damit die Gefahr, dass Sie sich Schürfwunden, Schnittwunden, Insektenbisse und ähnliches zuziehen, möglichst gering ist.
  • Sorgen Sie für saubere und trockene Haut. Verwenden Sie einen seifenfreien Reiniger, der die Haut nicht austrocknet und reiben Sie die Haut jeden Tag mit einer nicht parfümierten Creme oder einem Öl ein, um sie geschmeidig und in glatt zu erhalten.
  • Schützen Sie die Haut vor Sonne. Verwenden Sie eine Sonnenschutzcreme mit einem Schutzfaktor von mindestens 15. Sehen Sie vom Besuch einer Sonnenbank ab.
  • Vermeiden Sie extreme Temperaturen. Zu viel Hitze kann die Schwellung verschlimmern. Nehmen Sie keine heissen Bäder oder heisse Duschen. Gehen Sie nicht in die Sauna und halten Sie sich nicht in die Nähe einer Wärmequelle auf.
  • Tragen Sie keine engsitzende Kleidung oder BHs. Das gilt auch für Armbänder, Armbanduhren und Ringe.
  • Verwenden Sie kein Rasiermesser zum Rasieren der Achseln.
  • Tragen Sie am betroffenen Arm keine schweren Lasten.

Setzen Sie sich bei den ersten Zeichen einer Infektion unverzüglich mit Ihrem Hausarzt in Verbindung: insbesondere wenn das Gebiet rot oder warm wird, anschwillt, schmerzt, vor allem, wenn rote Streifen zu diesem verlaufen. Sie können dann sofort mit Antibiotika behandelt werden, bevor das Lymphsystem noch weiter unter Druck gerät.

Bei Haarausfall

Chemotherapie kann zu Haarausfall führen. Das geschieht jedoch nicht bei allen Arzneimitteln gleichermaßen, und manchmal fällt der Verlust kaum auf. Manche Menschen werden jedoch vorrübergehend ganz oder teilweise kahl. Manche Arzneimittel führen dazu, dass andere Körperbehaarung ausfällt, wie beispielsweise Augenbrauen, Wimpern, Barthaare, Nasenhaare, Achselhaare, Schamhaar, Brusthaare und Haare an Armen und Beinen. Wie stark der Haarausfall ist, hängt vom eingesetzten Arzneimittel, der Dosierung und der Reaktion Ihres Körpers ab. Nach der Chemotherapie wächst das Haar fast immer wieder nach. Allerdings kann das Haar unter Umständen eine andere Struktur aufweisen als vor der Behandlung. Es kann plötzlich gelockt oder aber gerade glatt sein, und es kann dünner sein. Auch die Farbe kann sich verändern oder bei den nachwachsenden Haaren erhöht sich der Grauanteil.

Manche Krankenhäuser bieten die Möglichkeit, vor, während und nach der Chemotherapie die Kopfhaut zu kühlen. Dahinter steht die Überlegung, dass die Kühlung die Durchblutung der Kopfhaut reduziert und dadurch die Haarwurzeln weniger vom Arzneimittel angegriffen werden. Das bedeutet, dass Sie bei jeder Behandlung zwei Stunden länger im Spital sind. Bei manchen Menschen verursacht die Kälte Kopfschmerzen. Bei Bestrahlung verlieren Sie nur an den bestrahlten Stellen Haare. Nach der Bestrahlung wächst das Haar nicht immer wieder nach. Sie können natürlich eine Perücke tragen, bis Ihr Haar wieder nachgewachsen ist. Zu denken ist auch an künstliche Augenbrauen und Wimpern.

Bei Unfruchtbarkeit

Chemotherapie kann zu Unfruchtbarkeit führen. Das Risiko hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie Ihrem Alter, der Art des Arzneimittels, das Sie erhalten, und dessen Dosierung. Da durch die Chemotherapie Eizellen vernichtet werden können, ist es möglich, dass Frauen fünf bis zehn Jahre früher in die Wechseljahre kommen, als dies normalerweise der Fall wäre. Bei Bestrahlung hängt es von der Stelle ab, die bestrahlt wird. Wenn die Eierstöcke oder die Gebärmutter direkt bestrahlt werden, ist die Unfruchtbarkeit möglicherweise dauerhaft. Dasselbe gilt für Männer bei Bestrahlung der Hoden. Eine Bestrahlung des Gehirns, bei der auch die Hypophyse4 in Mitleidenschaft gerät, kann ebenfalls Unfruchtbarkeit verursachen, da dort die Hormone gebildet werden, die die Reifung der Eizellen und die Bildung des Spermas regulieren. Sprechen Sie möglichst vor Ihrer Behandlung mit Ihren Ärzte über das Risiko einer Unfruchtbarkeit. Männer können vor der Behandlung ihr Sperma einfrieren lassen. Frauen, mit oder ohne Partner, können eventuell Embryos mittels IVF befruchten lassen. Dazu können sie Eizellen einfrieren lassen. Aber nicht immer kommt es zur Unfruchtbarkeit. Im Zeitraum der Behandlung und mindestens sechs Monate nach Beendigung der Behandlung sollten Sie also immer Empfängnisverhütungsmittel (beispielsweise ein Kondom) anwenden. Es ist besser, auf Nummer sicher zu gehen, denn es ist nicht bekannt, wie lange Sperma und reifende Eizellen infolge der Behandlung Abweichungen aufweisen können.

Mögliche Nebenwirkungen der Chemotherapie

  • Erhöhtes Infektionsrisiko, da das Knochenmark weniger weisse Blutzellen bildet, die Infektion bekämpfen.
  • Blutarmut, da das Knochenmark weniger rote Blutzellen bildet
  • Höheres Risiko von Blutungen und blauen Flecken, da das Knochenmark weniger Blutplättchen bildet, die dafür sorgen, dass das Blut bei Verletzungen gerinnt.
  • Erhöhtes Thrombose-Risiko (Blutgerinnsel in den Adern)
  • Haarausfall
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Appetitlosigkeit
  • Veränderung des Geschmacksinns
  • Schmerzhafter Mund, was zu Geschwüren im Mund (Mukositis) führen kann
  • Müdigkeit
  • Trockene Haut und Hautverfärbungen
  • Spröde und splitternde Nägel
  • Taubheit oder Kribbeln in Händen und Füssen (periphere Neuropathie).
  • Angst, Ruhelosigkeit, Schwindel, Müdigkeit oder Kopfschmerzen
  • Eingeschränkte Nierenfunktion
  • Beeinträchtigung des Gehörs, gelegentlich Gleichgewichtsstörungen
  • Erhöhtes Risiko, in Zukunft an einer anderen Krebsart zu erkranken
  • Vorübergehende oder dauerhafte Unfruchtbarkeit.

Mögliche Nebenwirkungen der Bestrahlung

  • Müdigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Appetitlosigkeit
  • Schmerzhafte Haut an der bestrahlten Stelle
  • Erhöhtes Infektionsrisiko, da das Knochenmark weniger weisse Blutzellen bildet, die Infektionen bekämpfen
  • Blutarmut, da das Knochenmark weniger rote Blutzellen bildet.
  • Höheres Risiko von Blutungen und blauen Flecken, da das Knochenmark weniger Blutplättchen bildet, die dafür sorgen, dass das Blut bei Verletzungen gerinnt
  • Unfruchtbarkeit
  • Sich anders anfühlende oder dunklere Haut
  • Anschwellen eines Körperteils (Lymphödem)
  • Kurzatmigkeit
  • Bleibender Haarausfall an der bestrahlten Stelle
  • Schluckprobleme
  • Häufiger Harndrang
  • Erhöhtes Risiko, in Zukunft an einer anderen Krebsart zu erkranken

Mögliche Nebenwirkungen einer Hormontherapie bei Frauen

  • Müdigkeit
  • Übelkeit
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Wechseljahresbeschwerden
  • Gelenkschmerzen
  • Knochenschwund (Osteoporose)
  • Gewichtszunahme
  • Gedächtnisprobleme
  • Stimmungswechsel und Depressionen

Mögliche Nebenwirkungen einer Hormontherapie bei Männern

  • Müdigkeit
  • Erektionsstörungen
  • Hitzewallungen und Schwitzen
  • Empfindliche Brust
  • Wiederauftreten des Tumorschmerzes
  • Gewichtszunahme
  • Gedächtnisprobleme
  • Stimmungswechsel und Depressionen
  • Knochenschwund (Osteoporose)
  • Erhöhtes Herzinfarktrisiko

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