Was tun bei der Diagnose Krebs?

Lautet die Diagnose Krebs, kann damit eine schwierige und belastende Zeit anbrechen. Wenn man jedoch weiß, was auf einen zukommt, und macht man Pläne für eine möglichst erfolgreiche Bewältigung dieser Zeit, lässt sich Stress verhindern und das Leben nach der Diagnose erleichtern.

Schon alleine die Konfrontation mit der Diagnose “Sie haben Krebs” stellt eine einschneidende Erfahrung dar. Wenn auch jeder anders damit umgeht, so werden doch die meisten Menschen über eine solche Diagnose erschrecken. Zumeist sind Bestürzung, Sorge und Unsicherheit oder sogar Angst vor der Zukunft vorherrschend. Da Krebs jedoch so häufig auftritt, weiß man inzwischen viel über die Zeit nach der Diagnose. Auch wenn die Diagnose Krebs bedeuten kann, dass nur noch eine begrenzte Lebensspanne bleibt, so sind doch die Behandlungen mittlerweile so weit fortgeschritten, dass immer mehr Menschen den Krebs schließlich besiegen.

Für alle Betroffenen haben wir Erfahrungen und Probleme, die sich nach der Diagnose Krebs stellen, in zwölf praktische Tipps umgesetzt. Sie sollen als Hilfe dienen, um in der schweren Zeit nach der Diagnose Krebs möglichst gut mit der Situation umzugehen.

Informieren Sie sich über die Diagnose Krebs

Gehen Sie sicher, dass Ihnen genau erklärt wird, was die Diagnose bedeutet. Versuchen Sie, möglichst viele Informationen über die Diagnose zu erhalten. Machen Sie dazu einen Termin mit Ihrem behandelnden Arzt.

Zumeist werden Sie dabei mit Informationen überschüttet. Deshalb ist es wichtig, dass Sie von einer Ihnen nahestehenden Person begleitet werden, die dem Gespräch zuhört und Sie daran erinnert, bestimmte Fragen zu stellen. Machen Sie sich vor Ihrem Arzttermin eine Liste mit Punkten, die Sie besprechen möchten.

Dazu gehören Fragen wie:

• Was für einen Krebs habe ich?

• Wo befindet sich der Krebs?

• Hat der Krebs bereits Metastasen gebildet?

• Ist dieser Krebs heilbar? Wie hoch sind die Heilungschancen?

• Welche Symptome gehen mit dieser Krebsart einher?

• Kann der Krebs behandelt werden? Wie?

• Können die Symptome behandelt werden?

• Sind mit der Behandlung Nebenwirkungen verbunden?

• Gibt es Arzneimittel gegen diese Nebenwirkungen?

• Wie hoch sind die Erfolgschancen dieser Behandlung?

• Gibt es außer den regulären Therapien noch weitere Behandlungsmöglichkeiten für den Krebs, die Symptome oder die Nebenwirkungen der regulären Behandlung?

• Darf ich noch Auto fahren, arbeiten, Sport treiben usw.?

• Worauf muss ich achten? Bei welchen Beschwerden muss ich mich sofort an den Arzt wenden?

• Was kann ich tun, um möglichst große Heilungschancen zu haben oder um zu verhindern, dass sich der Krebs verschlimmert oder später wiederkommt?

• Ist diese Krebsart vererbbar?

• Müssen meine Kinder oder andere Familienmitglieder auch getestet werden?

Informieren Sie Ihr unmittelbares Umfeld

Häufig ist die erste Reaktion nach der Diagnose Krebs, mit niemandem darüber zu sprechen, um die Erkrankung möglichst geheim zu halten. Das ist bis zu einem gewissen Zeitpunkt durchaus möglich. Allerdings wird sich Ihre Situation im Laufe der Zeit verändern und das direkte Umfeld wird diese Veränderungen bemerken, sie jedoch nicht einordnen können.

Für viele ist es daher wichtig, offen und ehrlich mit ihrem direkten Umfeld zu kommunizieren. So kann verhindert werden, dass sich der Patient isoliert. Auch den direkten Angehörigen gelingt es mit Hilfe der richtigen Informationen, besser mit ihren eigenen Emotionen umzugehen. Tauschen sich die Betroffenen auf angemessene Weise über ihre jeweiligen Emotionen aus, lassen sich dadurch viele Probleme und viel Kummer verhindern.

Bereiten Sie sich auf Veränderungen vor

Direkt nachdem Sie die Diagnose Krebs erhalten haben, ist oft die beste Zeit, sich auf mögliche Veränderungen vorzubereiten.

Manche Krebsarten können zu Verhaltensänderungen oder zu anderem, psychisch abweichendem Verhalten führen. Dies gilt etwa bei Gehirntumoren, die Druck auf das Gehirn ausüben. Fragen Sie Ihren Arzt danach! Werden die Folgen der Krebserkrankung den unmittelbar Beteiligten angemessen erklärt, kann Verständnis geweckt werden, und die Zeit der Krankheit ist weniger belastend – sowohl für den Patienten wie auch für Familie und Freunde.

Erkundigen Sie sich bei Ihrem behandelnden Arzt danach, mit welchen körperlichen Veränderungen oder Einschränkungen Sie rechnen müssen. Welche davon relativ sicher sind und welche bei Patienten mit einer Diagnose wie der Ihren zwar auftreten können, aber selten sind. Fragen Sie danach, damit Sie sich gut darauf vorbereiten können und damit Sie sich auf Müdigkeit, Übelkeit und Appetitlosigkeit einstellen können. Aber auch beispielsweise auf Haarausfall, sodass Sie sich rechtzeitig um eine Perücke kümmern können.

Diese Informationen sind auch deshalb wichtig, weil Sie rechtzeitig mit Ihrer Krankenversicherung darüber sprechen sollten, welche Leistungen Sie erstattet bekommen und welche sie selbst tragen müssen. Es ist wichtig, diese Fragen schon im Vorfeld zu klären und nicht erst dann, wenn Sie bereits mit den Folgen konfrontiert werden.

Leben Sie gesund

Auch wenn – oder vielleicht gerade weil – Sie die Diagnose Krebs erhalten haben, ist es wichtig, gesund zu leben. Essen Sie gesund, regelmäßig und abwechslungsreich. Machen Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten Sport. Gesund zu leben erhöht Ihren Widerstand und Ihre Chancen, den Krebs zu besiegen oder die Nebenwirkungen der Behandlung besser zu verkraften. Es hat sich gezeigt, dass bei Menschen, die gesund leben, die Lebensqualität während der Behandlung besser ist und dass sie dem Krebs länger Widerstand entgegensetzen können.

Lassen Sie sich von Familie und Freunden helfen

Ein Großteil der Hilfe, die Sie benötigen, erhalten Sie von Ihrer Krankenversicherung. Aber auch wenn beispielsweise notwendige Taxifahrten erstattet werden, kann es angenehmer sein, wenn Sie von einer vertrauten Person ins Krankenhaus begleitet werden. Vielleicht möchten Sie Familie und Freunden nicht zur Last fallen. Aber gerade wenn Sie sich von ihnen helfen lassen – bei den notwendigen Fahrten, im Haushalt, beim Einkaufen und Kochen, bei der Kinderbetreuung und so weiter – können Sie besser zur Ruhe kommen. Und auch ihre Angehörigen und Freunde können dann besser mit ihren Gefühlen und ihren Sorgen um Sie umgehen. Die Hilfe kann auch dafür sorgen, dass die Person, die Ihre direkte Betreuung übernimmt, ausreichend zur Ruhe kommt und sich nicht in seiner Sorge aufreibt.

Werden Sie sich über Ihre Wünsche klar

Die Diagnose Krebs ist häufig der Anlass, einmal darüber nachzudenken, was einem wirklich wichtig ist im Leben. Versuchen Sie, sich Zeit dafür zu nehmen. Für das, was Sie tun wollen oder für diejenigen Menschen, die Ihnen wichtig sind. Teilen Sie Ihre Gedanken und Gefühle offen, ehrlich und behutsam mit. Krebs wirkt sich auf alle Ihre Beziehungen aus, also auch auf Familie, Sportclub, Arbeitskollegen und Freunde.

Wenn die Prognosen ungünstig sind, ist es vielleicht sinnvoll, Ihr Testament noch einmal durchzugehen. Seitdem Sie Ihren letzten Willen festgelegt haben, kann sich vieles geändert haben. Vielleicht hatten Sie bisher ja auch noch gar kein Testament. Ein Notar kann Sie dabei beraten.

Außer den Dingen, die geregelt werden müssen – wie etwa das Testament –, gibt es auch andere praktische Dinge, die unmittelbar mit Ihrer Pflege zusammenhängen. Ist die Diagnose negativ, sollten Sie auch darüber nachdenken, wie Ihre letzte Lebensphase aussehen soll. Und ob Ärzte und Pfleger bereit sind, Ihnen dabei die erforderliche Hilfe zu leisten.

Je nach Schwere der Diagnose und Ihrer weltanschaulichen Einstellung können Dinge wie Sterbehilfe oder die Verabreichung eines Sedativums erwogen werden. Es ist wichtig, dies gegebenenfalls frühzeitig mit Ihrem Hausarzt zu besprechen. Nicht jeder Hausarzt unterstützt diese Eingriffe und wenn der Augenblick gekommen ist, kann es zu spät sein, sich an einen anderen Hausarzt zu wenden und die erforderlichen Vorbereitungen zu treffen.

Versuchen Sie, Ihr gewohntes Leben soweit wie möglich weiterzuführen, aber stehen Sie auch offen für notwendige Veränderungen. Nach der Diagnose Krebs können Sie häufig Ihr normales Leben noch geraume Zeit fortsetzen. Stecken Sie den Kopf nicht in den Sand, sondern führen Sie auch weiterhin ein möglichst normales Leben.

Wichtig ist jedoch, Raum zu lassen für Veränderungen, die wegen des Krebses erforderlich sind. Planen Sie dies sorgfältig, gemeinsam mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin, Ihrer Familie oder einem guten Freund oder einer Freundin.

Teilen Sie Ihre Erfahrungen, lernen Sie von den Erfahrungen anderer

Manchmal hilft das Verständnis von Menschen, die den Krebs besiegt haben, ihr Umgang mit den Sorgen, die sie bereits durchstanden haben, und Ihr Leben mit der Krankheit. Vielleicht gibt es ja jemanden in Ihrem unmittelbaren Umfeld, der den Krebs überwunden hat.

Auf unserer Website finden Sie Links zu Patientengruppen und Internetforen, wo Krebspatienten ihre Erfahrungen miteinander teilen. Betroffene können Ihnen helfen und Fragen beantworten, auf die Ärzte vielleicht nicht unbedingt eine Antwort wissen. Krebspatienten sind aufgrund eigener Erfahrung eher in der Lage, Fragen und Antworten in einer anderen Perspektive zu sehen. Das kann Ihnen bei der Verarbeitung dessen helfen, was die Krebserkrankung für Sie bedeutet.

Lassen Sie sich nicht stigmatisieren

Krebs ist eine schwere Krankheit, vor der sich viele fürchten. Allerdings ist häufig noch zu wenig über den Krebs bekannt. Erklären Sie Ihren Arbeitskollegen und Ihren Bekannten die Situation. Krebs ist nicht ansteckend, und es gibt viele Patienten die den Krebs gut durchstanden haben und nach einer kürzeren oder längeren Zeit der Erkrankung ihr altes Leben wieder aufgreifen konnten. Bereiten Sie sich auf den Umgang mit denen vor, die sich Ihnen gegenüber anders verhalten, weil Sie Krebs haben. Weisen Sie sie darauf hin, dass Krebs selbstverständlich ein großer Einschnitt in Ihr Leben bedeutet, dass sie auch weiterhin normal mit Ihnen umgehen können und dass sie noch genauso willkommen sind wie zuvor.

Prüfen Sie Ihre Krankenversicherung

Die grundlegenden regulären Behandlungen werden von Ihrer Krankenversicherung erstattet. Allerdings gilt dies nicht unbedingt für alle Kosten und für alle Behandlungen, die Sie vielleicht infolge Ihrer Krebserkrankung benötigen. Vor allem die Kosten für alternative Therapieformen, wie Akupunktur gegen die Nebenwirkungen von Chemotherapie, werden häufig nicht oder nur zum Teil vergütet. Sprechen Sie mit Ihrer Krankenversicherung, sodass Sie nicht im Nachhinein auf unnötigen Kosten sitzen bleiben. Je nach Einkommen können auch zusätzliche Hilfsmittel erstattet werden. Der Hausarzt kann Ihnen hierbei behilflich sein.

Zweitmeinung

Es kann sein, dass der Kontakt mit dem behandelnden Arzt nicht gut war. Dass er Ihre Fragen nicht umfassend genug beantwortet hat, nicht wirklich interessiert war oder einige Ihrer Vorschläge – wie beispielsweise über eine andere Behandlungsweise, ein alternatives Therapieverfahren oder eine Behandlung im Ausland – beiseite gewischt hat.

Sie haben immer das Recht, bei einem anderen Arzt Ihrer Wahl eine Zweitmeinung einzuholen. Wenn Sie selbst einer bestimmten Behandlungsweise den Vorzug geben würden, ist es wichtig, sich bei der Wahl eines Arztes für die Zweitmeinung für einen Arzt zu entscheiden, der mit dieser Behandlungsmöglichkeit vertraut ist.

Behalten Sie selbst die Kontrolle

Jede Person ist einzigartig, und auch die Behandlung unterscheidet sich von Patient zu Patient. Genauso individuell geht jeder Betroffene auch mit der Diagnose Krebs und mit der Zeit der Krankheit um.

Hier folgen einige Tipps, die Ihnen helfen sollen, selbst die Kontrolle zu behalten, wenn die Krebssymptome, die häufigen Behandlungen und andere Veränderungen Ihnen das Gefühl vermitteln, dass Sie gelebt werden und nicht mehr selbst über Ihr Leben bestimmen.

• Wenden Sie Entspannungstechniken an.

• Teilen Sie Ihre Gefühle auf ehrliche und behutsame Weise mit Ihrer Familie und Ihren Freunden.

• Wenn Sie gläubig sind, besprechen Sie die Situation mit einem Pfarrer oder einem Priester.

• Führen Sie Tagebuch.

• Bitten Sie denjenigen, der Sie täglich versorgt oder Ihnen hilft, ein Tagebuch zu führen. Das kann auch dabei helfen, wichtige Veränderungen im Krankheitsverlauf rechtzeitig zu bemerken.

• Machen Sie sich Notizen. Steht beispielsweise eine schwierige Entscheidung an, dann notieren Sie sich die Gründe dafür und dagegen. Denn weil der Krebs vorübergehend Konzentration und Gedächtnis beeinträchtigen kann, ist es hilfreich, Dinge aufzuschreiben, um sie nicht wieder erneut durchdenken zu müssen.

• Teilen Sie sich die Zeit ein, sodass Sie sich ausreichend ausruhen können und andererseits auch weiterhin die Dinge tun können, die Ihnen wichtig sind.

• Halten Sie Verbindung zu Ihrer Arbeit und Ihren Hobbys. Pflegen Sie die Kontakte mit Ihren Bekannten.

Begriffe, denen Sie bei der Diagnose Krebs begegnen werden:

Metastase: Dabei breitet sich der Krebs auf andere Körperteile aus.

Primary unknown: Bei etwa 4 % der Tumore kann zwar die Diagnose Krebs gestellt, nicht jedoch ermittelt werden, an welcher Stelle im Körper der Krebs seinen Anfang genommen hat. Das kann Auswirkungen auf die Therapiewahl haben.

Tumormarker: Ein Tumormarker ist ein bestimmter Stoff, der vermehrt im Blut auftritt, wenn sich ein Krebs entwickelt. Im Laboratorium kann mit Hilfe dieser Tumormarker festgestellt werden, ob ein Krebs vorliegt.

DNA: die Struktur der Gene in den Chromosomen.

Karzinomatös: Anfällig für Krebs.

Tumor: eine Geschwulst infolge der Anhäufung von Krebszellen. Tumore können gutartig oder bösartig sein. Ein gutartiger Tumor ist ein Tumor, der zwar wächst, aber das umliegende Gewebe zur Seite schiebt und es nicht infiltriert. Ein bösartiger Tumor wächst und infiltriert das umliegende Gewebe und zerstört es dabei. Bösartige Tumore sind daher schwerwiegender als gutartige Tumore.

Onkologie: Heilkunde über das Wissen und die Behandlung von Krebs. Ein ärztlicher Onkologe ist ein Internist, der sich auf Onkologie spezialisiert hat.

Multidisziplinäres Team: Fachärzte verschiedener medizinischer Disziplinen arbeiten bei der Bestimmung von Diagnose und Behandlung zusammen.

3 Phasen Krebs: Krebszellen entstehen durch die Umwandlung gesunder Zellen. Diese Umwandlung verläuft in Phasen:
Phase 1 ist die Initialphase. In der DNA der Zelle finden Veränderungen statt, wodurch die Zelle anfälliger für Krebs wird.
Phase 2 ist die sogenannte Latenzphase. Die Empfindlichkeit der umgebildeten Zellen nimmt immer stärker zu.
Phase 3 ist die Phase, in der wir von Krebs sprechen: Die krebsempfindlichen Zellen teilen sich unkontrolliert. Sie häufen sich zum Tumor auf.

Wie wird die Diagnose Krebs gestellt?

Es gibt verschiedene Tests, um Krebs festzustellen oder auszuschließen. Diagnoseverfahren sind häufig:

  • Imaging (MRI)
  • Labortests, wie etwa Tumormarkertests
    • Bluttest
    • Urintest
  • Tumorbiopsie
  • Endoskopische Untersuchung
  • Chirurgie
  • Genetischer Test

Es ist nicht ein einziger Test, mit dem die Diagnose Krebs gestellt wird. Um zur Diagnose Krebs zu gelangen, sind zumeist eine Evaluierung der Krankengeschichte und eine körperliche Untersuchung sowie Labortests erforderlich. Es sind mehrere Tests notwendig, um feststellen zu können, ob jemand an Krebs erkrankt ist oder ob die Beschwerden auf eine andere Ursache, wie etwa eine Infektion, zurückzuführen sind.

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